“Bauernland sucks”

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In der vergangenen Saison 2007/2008 reiste ich zu allen drei Playoff-Spielen ins Sauerland, zu den Iserlohn Roosters. Auch wenn ich nicht gerade gerne nach Iserlohn gefahren bin (so schnell werde ich auch sicherlich nicht wieder dorthin fahren), hatten wir jede Menge Spaß. Viele lustige Erinnerungen verbinde ich mit den Auswärtsspielen bei den Roosters. Wo fange ich am besten an?

Zu jedem Spiel produzierte ein Freund aus unserer NHL-Runde besondere Aufkleber, die wir alle vorne auf die Trikots klebten, sodass im Laufe der Playoffs nicht mehr viel vom Trikot zu sehen war, da die Aufkleber alles verdeckten. Die Texte der Aufkleber waren – zugegeben – etwas provokativ. Hier ein kleines Beispiel: “Bauernland SUCKS” (Viertelfinale – Spiel 3). Ich denke, das zeigte ganz klar unsere Abneigung gegenüber Iserlohn.

Rudelbildung

Ganz besonders unbeliebt machte sich jedoch Robert Hock, der Kapitän der Roosters. In jedem, in wirklich jedem Spiel hatte er den Schiedsrichtern etwas mitzuteilen. Ich weiß, als Kapitän darf und muss man mit den Schiedsrichtern sprechen, aber das war nicht mehr normal! Immer und immer wieder hatte er den Schiedsrichtern etwas zu sagen, auch wenn er zu diesen Zeitpunkten überhaupt keinen Grund dazu gehabt hatte. Deshalb wurde für Spiel 5 im Viertelfinale extra ein Aufkleber nur für ihn angefertigt: “SEELSORGE Robert Hock 02371-83576-91″. (Die Nummer 02371-83576 ist übrigens die Nummer von der Geschäftsstelle der Roosters, und die 91 ist die Spielernummer von Hock.)

Wo ich gerade schon mal Robert Hock angesprochen habe: Mit ihm verbinde ich ein weiteres Erlebnis, an das ich mich zu gere zurückerinnere. Bei einem Spiel in Iserlohn sangen wir “Schwuuler, schwuuler Robert Hock, ooohoo…”. Es war gerade eine Spielunterbrechung, als wir immer noch sangen und Robert Hock bei uns vorbeikam. Außer uns konnte niemand seine Aktion sehen. Er zog seinen rechten Handschuh aus, führte seine rechte Hand hinter seinen Kopf und zeigte dem Frankfurter Gästeblock den Mittelfinger. Spieler und Schiedsrichter haben von der Aktion nichts mitbekommen, da sie alle vor Robert Hock waren und daher nicht sehen konnten, was seine Hand hinter dem Kopf machte. Den Finger hatten wir uns auf alle Fälle verdient.

Aber auch die Iserlohner Fans waren nicht besser. Es hat schon fast keinen Spaß mehr gemacht. Jedes Mal, wenn ein Iserlohner Spieler gecheckt oder auch nur berührt wurde: “EEEEEYYYY…”. Es war so nervig! Wir haben uns daraus einen Spaß gemacht und auch immer wieder abwechselnd “EEEYY” geschrien.

Noch ein kleiner Nachtrag zu den Aufklebern: Bei einem Auswärtsspiel gab es den Aufkleber “Kühe Schweine ISERLOHN”. Als ich mir unten am Bierstand ein Bier holen wollte und endlich an der Reihe war, musste ich erst mal grinsen. Ganz vorne auf der Theke des Bierstands stand: “Kühe Schweine ISERLOHN”. Ein Freund hatte die Aufkleber im gesamten Stadion verteilt.

Ich verspüre immer noch einen leichten Brechreiz, wenn ich an das Sauerland-Lied zurückdenke, was die Roosters-Fans in der Halle andauernd gesungen haben. Hier das Original vom Refrain: “Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland, vergrabt mein Herz im Lennesand, wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind.” Nun ja, damit wir auch auf unsere Kosten kommen konnten, haben wir den Text etwas abgeändert: “Sauerland, wir scheißen auf das Sauerland, denn Sauerland ist abgebrannt, wo die Goalies noch fetter als die Kühe sind.”

Nach einem verlorenen Spiel in Iserlohn liefen mein Bruder und ich zurück zum Bus. Auf dem Weg dorthin holten wir eine Oma ein, die ebenfalls Lions-Fan war. Es kamen uns jede Menge Roosters-Fans entgegen, die alle von der Oma beschimpft wurden. Mein Bruder und ich sahen uns die Show an und konnten nur noch lachen. Ich weiß schon gar nicht mehr, was sie genau gesagt hatte. Sie schimpfte auf die Roosters-Fans ein, machte ihnen klar, dass unsere Jungs sie das nächste Mal fertig machen würden etc. Das ganze sagte sie in einem Ton, als würde sie jeden Moment anfangen zu weinen.

Spiel 2 in Iserlohn war das mit Abstand längste Spiel, dass ich je gesehen habe. Spielbeginn war um 19:32 Uhr, Spielende war um 00:17 Uhr. Die Spielzeit betrug 117 Minuten und 45 Sekunden. Dann war es vorbei. Die Roosters gewannen 3:2 nach Verlängerung. Ein Spiel zu verlieren ist immer schmerzvoll, aber ein Spiel nach fast 118 Minuten zu verlieren…ohne Worte.

Spiel 4 in Iserlohn war dramatisch. Nachdem Michael Wolf in Spiel 3 den Frankfurter Verteidiger Michael Bresagk zusammegefahren hatte, war er für Spiel 4 gesperrt. Vor Spielbeginn hetzte der Iserlohner Stadionsprecher die eigenen Fans gegen den Löwen-Verteidiger auf. Die Lions-Spieler wurden wohl mit Bechern beworfen und von allen Seiten beschimpft.
Für Spiel 6 nahmen die Lions dann eigene Bodyguards mit nach Iserlohn, da die Iserlohner Ordner beim letzten Spiel nicht eingeschritten sind. Aber was soll man auch erwarten, wenn diese Roosters-Trikots und ein gelbes Leibchen darüber tragen!? Lächerlich!

Spiel 6: Da die Türen zur Halle noch nicht geöffnet waren, hatte sich auf der Treppe eine Schlange gebildet. Wir standen am Ende der Treppe und warteten auf den Einlass. Plötzlich hörten wir wie ein Iserlohner Fan einen Roosters-Fan neben sich fragte, ob er sich denn schon Karten für Köln (Gegner im Halbfinale) besorgt hätte. Wir konnten daraufhin nur lachen. In der Serie stand es zwar 3:2 für die Roosters und sie konnten in eigener Halle den Einzug ins Halbfinale perfekt machen, aber genau diese Art von Arroganz wird immer bestraft! Die Lions gewannen 4:0!

Während des gesamten Spiels standen die Personenschützer hinter der Lions-Bank, mit dem Rücken zum Spielfeld. Nach dem Spiel kam es dann zu einigen Rangeleien, sowohl auf/neben dem Eis alsauch auf den Rängen. Auf der Spielerbank am Kabineneingang gerieten Spieler der Lions und der Roosters aneinander, und auch Rich Chernomaz war irgendwie im Geschehen. Vom Iserlohner Fanblock flogen die Plastikbecher – zum Teil noch gefüllt – in Richtung Lions-Fanblock. Es gab wohl auch ein paar Verletzte. Chernomaz wurde dann von einem bekannten Düsseldorfer Bodyguard, den man wohl vom Boxen her kennt, in die Kabine begleitet. Wir haben uns dann auch möglichst schnell aus der Halle begeben. Als wir dann auf die Autobahn fuhren, wurden wir mit einem Feuerwerk verabschiedet. Offenbar war man sich der Sache in Iserlohn sehr sicher, zu sicher.

Auf der Rückfahrt machten wir an einem Rastplatz eine kleine Pause. Dort hielt dann auch einige Minuten später der Mannschaftsbus der Frankfurt Lions. Wir saßen alle schon wieder im Bus, bereit zur Weiterfahrt nach Frankfurt. Doch dann stürmten alle wieder raus und rannten zur Tankstelle zurück, wo der Lions-Bus stand. Einige Spieler sind im Bus sitzen geblieben, der Großteil war jedoch im Shop der Tankstelle. Die Spieler mussten, wenn sie zum Bus zurück wollten, durch eine von den Fans gebildete Gasse gehen. Dabei wurden sie aber ordentlich von uns gefeiert. Sebastian Osterloh gab mir auf dem Rückweg zum Bus einen Klapps auf die Schulter. Nebenbei fand noch ein kleiner Tausch statt: Die Lions bekamen zwei Kästen Bier von uns und wir deren Essensreste.

Zum Schluss möchte ich nur noch kurz ein paar Leute erwähnen: der Busfahrer (der trotz zugeschneiter Autobahn weiter Gas gegeben hat), unser Stadionsprecher Rüdiger Storch (der für fast alles zu haben ist), die flirtende Polizistin (die alle paar Sekunden in unseren Block schaute und dabei jemand ganz bestimmtes anlächelte) sowie Söhnke und Stormrider (Stichwort: Elefanten).

Von Fabian

17. August 2008 um 22:06