Lions @ Eisbären

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Am 27. Februar 2009 stand das Auswärtsspiel der Frankfurt Lions bei den Eisbären Berlin auf dem Programm. Um 4:15 Uhr begann für mich der Tag. Um 5:09 fuhr die Bahn. Treffpunkt war die Eissporthalle Frankfurt, von wo wir um 6 Uhr mit dem Bus Richtung Berlin abfahren wollten. Unsere Abfahrt verzögerte sich jedoch etwas, sodass wir erst um 6:23 Uhr unseren Roadtrip starteten. Als ich an der Eissporthalle ankam – es war kurz vor 6 Uhr – war das Fass Budweiser bereits angestochen. Noch vor der Abfahrt war es geleert. Die Busfahrt war ganz unterhaltsam. Unser DJ Patrick hatte ein paar CDs mit Partyhits zusammengestellt, darunter ein paar echte “Kracher”. Gegen 8 Uhr haben wir unsere erste größere Pause gemacht, natürlich bei McDonald’s. Dort haben wir ein zweites Frühstück zu uns genommen. Auf dem Busparkplatz stand bereits ein anderer Reisebus. Auf der Toilette erfuhren wir, dass die Gruppe auf dem Weg nach Nürnberg war, um sich dort das DEL-Spiel Nürnberg gegen Ingolstadt anzusehen.

Berlin

Nach einer halben Stunde ging es zurück in den Bus. Die Fahrt nach Berlin war eigentlich ganz angenehm, da ich zwei Sitze für mich allein und dementsprechend viel Platz hatte. Außerdem wurde ich bestens mit Berentzen und “Kleiner Feigling” versorgt. Nach ca. 8 Stunden waren wir in Berlin angekommen. Allerdings brauchten wir (ungefähr) eine weitere Stunde, um weiter ins Zentrum Berlins zu gelangen. Trotz dreier Spuren war “stop-and-go” angesagt. Der Bus fuhr direkt zum Hostel, wo die Forumsgemeinde nächtigen wollte. Von dort aus machte ich mich auf zum nahe gelegnen S-Bahnhof. Am Berliner Hauptbahnhof habe ich mein Gepäck in einem Schließfach verstaut, um mir noch mal die touristischen Highlights Berlins anzuschauen: das Bundeskanzleramt, den Reichstag, das Brandenburger Tor, das Hotel Adlon und das Sony Center. Das alles war nicht neu für mich, da ich erst im Sommer 2008 dort gewesen bin. Neu hingegen war die Holocaust-Gedenkstätte, die ich im vergangen Sommer aus mir unbekannten Gründen nicht besucht hatte. Ich persönlich finde sie sehr gelungen.

Vom Potsdamer Platz (Sony Center) fuhr ich zum Hackeschen Markt. Gegenüber von den Hackeschen Höfen habe ich mir einen Döner gekauft. Nachdem ich ihn aufgegessen hatte, rief mich mein Bruder an. In 10 Minuten würde er am Hauptbahnhof sein. Also fuhr ich vom Hackeschen Markt zum Hauptbahnhof, um meinen Bruder zu empfangen. Wir hatten ein paar Probleme uns im Bahnhof, der ja über mehrere Etagen geht, zu finden. Hinzu kamen Verständigungsprobleme am Telefon, aber wir fanden uns dann doch noch. Da es nun schon kurz nach 18 Uhr war, fuhren wir mit der S-Bahn zum Ostbahnhof. Von dort aus erreicht man die O2 World zu Fuß in nur wenigen Minuten. Am Eingang wurden wir mit einem Metalldetektor “abgetastet”. Natürlich piepste das Gerät – ich hatte mein Handy und meine DigiCam in der Hosentasche. Daraufhin sollte ich meine Taschen komplett entleeren. Anschließend wurde ich ein zweites Mal überprüft. Alles in Ordnung. Danach musste ich mich umdrehen und ich wurde erneut “gecheckt”. Der Mann hinter mir meinte: “Das ist hier ja schlimmer als am Flughafen.”

Ein paar Worte zur O2 World: Von außen gefällt mir die Arena sehr gut. Vor allem die “Video-Wand” über dem Haupteingang finde ich sehr geil. Auch die Terrasse darunter (über dem Eingang) finde ich sehr schön. Von dort aus hat man einen guten Überblick auf den gesamten Platz vor der Arena. Auch das Innere vom Stadion – Eingangsbereich, Treppenaufgänge und Flure – finde ich sehr schön. Die Preise für Essen und Getränke haben es in sich, aber das wussten wir auch schon vorher. Nicht so gelungen finde ich den Innenraum der O2 World. Die Decke ist nicht gerade schön anzusehen und auch die Musikanlage könnte besser sein. Dafür sind die Ränge nicht so steil wie beispielsweise in der SAP-Arena in Mannheim. Zum Berliner Publikum möchte ich eigentlich nicht viel sagen. Naja, eigentlich doch!

Foyer O2 World Berlin

Die ganze Veranstaltung ist sehr stark auf “Eventies” ausgerichtet. Gewinnspiele, Verlosungen und Aktionen in den Drittelpausen sind ein deutliches Zeichen dafür. Auch der Kommentator vom Stadion-TV vor dem Spiel lässt mich so denken. Der Kerl ist Amerikaner (evtl. auch Kanadier) und spricht das typisch amerikanische Deutsch. Versucht man dadurch ein “American Sports”-Feeling herzustellen? Was soll das bitte? Auch die Begrüßug der Zuschauer fand ich lächerlich. Der Stadionsprecher – oder war es nur der Anheizer? – stellte sich jedes Mal auf allen vier Seiten auf, machte die Welle und sagte: “Schön, dass Sie hier sind.” In der Arena war es ab dem 1:1 sehr ruhig. Nur bei Musikeinspielungen bemühte sich das Publikum mal Stimmung zu machen (Stichwort Micky Maus-Hände), aber auch nur so lange wie die Musik lief. Der normale Eishockeyfan braucht in der Drittelpause keine Aktionen. Nein, ganz bestimmt nicht. Der normale Eishockeyfan geht in der Drittelpause raus auf den Flur, holt sich ein Bier – in Frankfurt einen Äppler – und unterhält sich dann mit Freunden und/oder anderen Fans über das Spiel oder auch andere (private) Themen. Gerade das macht die Drittelpausen doch aus.

Am meisten habe ich mich an diesem Abend nicht über die Niederlage aufgeregt, sondern über die “Eisbären-Fans” (vermutlich Eventies, die zum vierten oder fünften Mal in der Saison im Stadion waren und sich supertoll fühlen, weil sie so eine tolle Arena haben). Ich persönlich muss beim Eishockey einfach stehen. Und damit bin ich nicht der Einzige. So geht es vielen anderen Fans auch. In jedem Stadion gibt es in der Regel einen Gästestehblock, in den Multifunktionshallen leider nicht (bis auf Krefeld). Und wenn man dann in einer solchen Halle wie in Köln oder Mannheim zu Gast ist, dann stellt man sich einfach hin. Da hatte ich noch nie Probleme. Bei uns im Gästeblock waren leider sehr viele “Eisbären-Fans”. Auch hinter uns saßen welche, die offensichtlich nicht sehr viel Ahnung von Hockey hatten (“Die hauen sich!”). Im ersten Drittel habe ich gestanden (halb auf dem Klappstuhl sitzend). Kein Problem. Zu Beginn des zweiten Drittels wurde ich gefragt, ob ich mich nicht hinsetzen könnte. Kein Problem. Ich dachte mir, ein Drittel mache ich das halt.

Als im Schlussdrittel der 4:3-Führungstreffer für Berlin fiel, konnte ich einfach nicht mehr sitzen. No way! Also habe ich mich wieder hingestellt (wieder halb auf dem Klappstuhl sitzend). Kurze Zeit später wurde ich erneut gefragt, ob ich mich nicht hinsetzen könnte. Daraufhin schüttelte ich den Kopf. Fünf Sekunden später meinte der Kerl: “War ja auch nur eine Bitte.” Daraufhin nickte ich nur und meinte “Alles klar”. Weitere fünf Sekunden später pöbelte er mich an, ob ich denn jetzt Stress haben wollte. “Nein, ich will keinen Stress haben. Ich möchte nur stehen. Das ist hier der Gästeblock (mit Betonung auf “Gäste”).” Ich habe noch überlegt, ob ich ihm die Situation erkären soll. Ich hatte aber herzlich wenig Lust dazu, sodass ich mich motzend wieder hingesetzt habe. Rückblickend hätte ich mich mit dem ******* anlegen bzw. einfach stehen bleiben sollen. Wenn es ihm nicht passt, soll er sich halt früher um Tickets kümmern und sich zu seinen Eventie-Brüdern setzen.

O2 World Berlin

Wie ich heute Mittag auf der Heimfahrt erfuhr, hatten die anderen Löwen-Fans ähnliche Konflikte. Mein Bruder und ich hatten uns selber um Tickets gekümmert, sodass die Forumsgemeinde einige Reihen weiter oben im Block saß. Dort wurden unsere Mädels auch gebeten sich hinzusetzen. Bereitwillig haben sie sich dann auch hingesetzt. Daraufhin haben die Berliner ihre Schuhe auf den Rückenlehnen der Mädels geparkt, sodass die Mädels die Schuhe von denen im Rücken hatten. Draufhin fragten sie die Berliner, was das solle und das sie gefälligst ihr Schuhe von den Rückenlehnen nehmen sollten. Die Berliner aber provozierten lieber. Sie rüttelten an den Lehnen, pöbelten und beschimpften unsere Mädels auf unterstem Niveau. So viel zum Thema Gastfreundlichkeit.

Zum Spiel: Nach nur 37 Sekunden erzielte Constantin Braun das 1:0 für die Eisbären. Dabei nutzte Braun den großzügigen Freiraum, den ihm die Frankfurter Verteidigung bot, dankend aus. In der zwöflten Spielminute glich Christoph Gawlik die Partie aus. Noch im ersten Drittel brachte Ilia Vorobiev die Lions in Führung. Den Treffer hatte er sich hart erarbeitet. Er wollte ihn, und er machte ihn. Das war eine geile Einzelleistung unserer #29. Mit dem Spielstand von 2:1 ging es in die erste Drittelpause. Im Mitteldrittel waren die Lions die klar bessere Mannschaft. Schon zu Beginn des Drittels machten die Gäste Druck. Zwei Minuten und zehn Sekunden waren im zweiten Drittel gespielt, als Tobias Wörle auf 3:1 erhöhte. Bei den Eisbären lief nichts mehr zusammen. Das Aufbauspiel der Berliner war von vielen Fehlern geprägt. Hierbei muss man allerdings auch das super Forechecking der Löwen erwähnen, die den Aufbau der Hauptstädter schon früh störten. In den letzten Minuten des Drittels wurden die Berliner aber wieder besser. Drei Minuten vor Schluss nutzte Denis Pederson eine Überzahl zum 2:3-Anschlusstreffer. Im Schlussdrittel nahmen die Lions zu viele Strafzeiten. Alexander Weiß und Andrew Roach drehten das Spiel und brachten die Gastgeber erneut in Führung. Eine Sekunde vor Schluss erzielte Deron Quint das 5:3 per “Empty Net”.

Das Leben als Eishockeyfan kann so grausam sein. Im Mitteldrittel erarbeiteten sich die Lions eine Chance nach der anderen. Immer wieder tauchten sie gefährlich vor Rob Zepp auf. Es brannte lichterloh vor dem Tor der Berliner. Aber das Glück war scheinbar nicht auf unserer Seite, denn der Puck wollte einfach nicht ins Tor. Es war zum Verzweifeln! 21:7 Torschüsse – So lautet die Bilanz im zweiten Drittel zu Gunsten der Lions. Am Ende des Drittels hätte es mindestens 1:5 bzw. 2:5 stehen müssen. Stattdessen zeigte der Videowürfel nur 2:3 an. Im Schlussdrittel drehten die Eisbären bekanntermaßen die Partie zu ihren Gunsten.

Nach dem Spiel fuhren mein Bruder und ich zurück zum Hauptbahnhof, da wir dort unser Gepäck verstaut hatten. S- und U-Bahn brachten uns schließlich aus dem Zentrum in den Süd-Westen Berlins, wo mein Bruder eine Übernachtungsmöglichkeit für uns aufgetan hatte. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an André und Katrin für ihre Gastfreundschaft. Am nächsten Morgen musste ich zurück zum Hostel der Anderen, von wo aus der Bus Richtung Heimat startete. Um 9:25 Uhr fuhren wir los. Sieben Stunden später waren wir wieder in Frankfurt.

Von Fabian

1. März 2009 um 21:40