WM-Tagebuch: Tag 12 (Part 2)

Jetzt kommentieren

Zum letzten Relegationsrundenspiel zwischen den USA und Italien wurden einige Schulklassen sowie Kindergartengruppen eingeladen. Eine sehr gute Idee, wie ich finde. Zum Einen war es dadurch nicht ganz so leer in der Kölnarena. Zum Anderen gefiel es ihnen hier vielleicht so gut, dass sie mit ihre Eltern wiederkommen. Die Kinder machten zudem jede Menge Lärm. Sie waren übrigens für die USA – zumindest die Mehrzahl von ihnen. Als der Stadionsprecher die Mannschaftsaufstellung vom Team USA bekannt gab, wurde es laut in der Arena. “U-S-A, U-S-A, U-S-A…” schrieen die Kinder. Es war wirklich witzig!

Vor dem Spiel habe ich die italienische Mannschaft gesehen, als sie gerade aus ihrer Kabine kam. Es ist echt seltsam, wenn du eine Gruppe Eishockeyspieler siehst und die sich auf italienisch unterhalten. Das passt einfach nicht zusammen. Dave Fischer von USA Hockey war selbstverständlich auch wieder dabei und hielt die daheim gebliebenen Fans auf dem Laufenden. Mit einem Sieg gegen Italien wären die USA auf jeden Fall bei der 2011 IIHF Weltmeisterschaft in der Slowakei dabei gewesen. Die ersten beiden Spiele der Relegationsrunde entschieden die Amerikaner für sich: 10:0 gegen Kasachstan und 4:0 gegen Frankreich.

Es war der erwartete Sturmlauf der Amerikaner, den wir zu sehen bekamen. Italien hatte in den ersten Minuten eine gute Möglichkeit bei einem 2:1-Konter, aber der Torschuss war eine Katastrophe. Der stellte überhaupt kein Problem für Scott Clemmensen dar. In 12. Minute brachte Brandon Dubinsky die Kids zum jubeln. Er traf in Überzahl zum 1:0. Die US-Boys bestimmten das Spiel, führten nach dem ersten Drittel aber nur 1:0.

Im Mittelabschnitt spielten die Amerikaner mit dem Feuer. In der Offensive fehlte die Durchschlagskraft und in der Defensive agierten sie zu nachlässig. Die Italiener hatten ein paar gute Möglichkeiten. Und dann kam es so, wie es kommen musste. Italien erzielte in der 35. Spielminute den Ausgleich: Giulio Scandella “on the breakaway”. Es war das erste Gegentor, dass die Amerikaner in der Relegationsrunde hinnehmen mussten.

13 Minuten vor Schluss ließ der US-Goalie Scott Clemmensen einen Schuss von links außen passieren. Der Schütze hieß Stefano Margoni. Clemmensen hätte den Puck stoppen müssen – ein ganz klarer Torwartfehler. Danach machten die Amerikaner Druck, dem die Italiener nicht standhalten konnten. In der 52. Spielminute gelang Ryan Potulny in Überzahl der Ausgleich. Nach regulärer Spielzeit und fünf Minuten Overtime stand der Sieger immer noch nicht fest. Die 5.864 Zuschauer bekamen ein Penaltyschießen zu sehen. T.J. Oshie sicherte den Amerikanern den Extrapunkt. Das Team USA verabschiedete sich mit einem knappen 3:2-Sieg nach Penaltyschießen aus dem Turnier und wird damit auch bei der nächsten Weltmeisterschaft dabei sein.

Nach dem Spiel habe ich in der “Mixed Zone” den Schläger von Andy Greene bekommen. Er schenkte ihn mir.

Ich hatte große Erwartungen an das Abendspiel Russland gegen Finnland. Es war das Finale in der Gruppe E. Es ging um den Gruppensieg. Ich wurde jedoch enttäuscht. Das Spiel war nicht schön anzusehen. Es war die schlechteste Schiedsrichterleistung, die ich bei dieser Weltmeisterschaft gesehen habe. Die beiden Referees Marc Muylaert und Rick Looker haben das Spiel total zerpfiffen. Es wurden viel zu viele Strafzeiten verhängt, sodass überhaupt kein Spielfluss zustande kam. Andauernd wurde die Partie unterbrochen. Allein im zweiten Drittel gab es 32 Strafminuten, insgesamt 54.

Nach dem ersten Drittel führte Russland dank eines Überzahltores von Sergei Fedorov mit 1:0. Im Mitteldrittel bauten Evgeni Malkin und Nikolai Kulemin die Führung auf 3:0 aus – innerhalb von nur zehn Sekunden. Alexei Emelin und Maxim Afinogenov trafen im Schlussdrittel. Russland gewann 5:0 und ist damit im Turnier weiterhin ungeschlagen. Im Viertelfinale wartet bereits Team Kanada auf die Russen. Diese Viertelfinalbegegnung findet am Donnerstag um 20:15 Uhr in der Kölnarena statt. Zuvor spielt in Köln Finnland gegen Tschechien. Schweden trifft in Mannheim auf Dänemark und die Schweiz auf Deutschland. Es wird ernst…

Von Fabian

19. Mai 2010 um 12:43