WM-Tagebuch: Tag 15

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Am letzten Tag der 2010 IIHF Weltmeisterschaft standen zwei Spiele in Köln auf dem Programm. Zunächst fand das Bronze-Spiel zwischen Schweden und Deutschland statt. Am Abend spielten Russland und Tschechien um die Goldmedaille. 15.873 Zuschauer kamen in die Arena, um das Bronze-Spiel Schweden gegen Deutschland zu sehen. Bereits nach drei Minuten ging Schweden durch den Treffer von Magnus Paajarvi Svensson in Führung. Nach etwa 30 Minuten hätte Schweden eigentlich schon mit 2:0 Toren geführt, aber der Schiedsrichter hatte das Spiel bereits unterbrochen, als ein Schwede den Puck ins Tor schoss. Der Schiedsrichter konnte den Puck, der auf der von ihm aus anderen Seite frei vor dem Tor lag, nicht mehr sehen und pfiff daher ab.

Michael Wolf und Felix Schütz hatten kurz darauf die Möglichkeit zum Ausgleich. Beide stürmten jeweils im Alleingang auf Jonas Gustavsson im Tor der Schweden zu, scheiterten aber. Ein stark haltender Dennis Endras hielt die Deutschen im Spiel. Er stoppte im ersten Drittel 15 von 16 Schüssen. Schweden war in diesem Spielabschnitt die schnellere und kreativere Mannschaft. Immer wieder konnten sie sich in der deutschen Zone festsetzen und für viel Gefahr vor unserem Tor sorgen. Aber dank Endras lagen wir zu dem Zeitpunkt nur mit einem Tor zurück.

Im zweiten Drittel bot sich den Zuschauern das gleiche Bild. Schweden war die spielbestimmende Mannschaft und setzte die Deutschen mächtig unter Druck. Deutschland war chancenlos. Erst in den letzten Minuten des Mittelabschnitts schaffte es die deutsche Nationalmannschaft offensiv ein paar Akzente zu setzen. Alexander Barta nahm in der 37. Minute seinen eigenen Abpraller auf, fuhr vor das Tor und verzögerte so lange, bis Gustavsson am Boden lag. Erst dann schoss er den Puck und traf zum 1:1 – eine super Leistung des Hamburgers.

Dennis Endras spielte wieder mal ganz, ganz stark. Der Junge ist einfach spitze! Ihm hatten wir es zu verdanken, dass Deutschland nach 40 Minuten immer noch eine Chance auf die Bronzemedaille hatte.

Das letzte Drittel begann nicht gut für das deutsche Team. Daniel Kreutzer musste wegen einer Spielverzögerung auf die Strafbank. Jonas Andersson traf in dieser Überzahl von rechts außen, aus einem spitzen Winkel und brachte Schweden wieder in Führung. Der neuerliche Führungstreffer für die “Tre Kronor” war abzusehen, denn die deutschen Spieler liefen immer nur hinterher. Die Schweden waren immer einen Schritt schneller.

In der 50. Spielminute musste mit Magnus Johansson der erste Schwede auf die Strafbank. Es war DIE Chance für Deutschland. Dank einem starken Penaltykilling und einem schwachen Powerplay überstanden die Schweden diese Strafzeit jedoch ohne Probleme. Der erhoffte Schlussansturm unserer Jungs blieb leider aus. Jonas Andersson traf 33.6 Sekunden vor der Schlusssirene in das von Endras verlassene Tor.

Schwedens Trainer Bengt-Ake Andersson nahm 0.7 Sekunden vor Ende sein Timeout. Daraufhin gab es wütende Pfiffe von den Fans in der Kölnarena. Schweden siegte 3:1 und sicherte sich damit die Bronzemedaille. Der Stimmung in der Arena tat dies jedoch keinen Abbruch. Die Fans feierten ihre deutsche Mannschaft, die das Turnier auf einem sehr guten vierten Platz beendete.

Christian Ehrhoff: “Im Moment überwiegt der Schmerz, die Enttäuschung. Aber in ein paar Wochen werden wir es realisieren. Wenn man zurückblickt, haben wir ein fantastisches Turnier gespielt und was historisches erreicht. Darauf können wir auf jeden Fall stolz sein. Wir waren in beiden Spielen nah dran, gegen die Russen und gegen die Schweden hatten wir auch wieder unsere Chancen. Das macht es natürlich jetzt umso enttäuschender als wenn man 6:1 vom Eis geht.”

Zu dem Timeout sagte Ehrhoff: “Obviously, we didn’t like it. It’s a little unsportmanlike when you are up and call a timeout with one second left. I asked the coach why he did it and I didn’t quite get his explination.” Was hat er zu Ihnen gesagt? “I didn’t really understand his explination, so I can’t really tell you what he said.”

Alexander Sulzer: “Es war ein riesen Erfolg. Das wissen wir auch, aber nach so einer Niederlage ist man erst mal enttäuscht. Ich denke, dass werde ich irgendwann in ein paar Tagen auf der Terrasse erst realisieren, wie unglaublich das war. Die Eindrücke und Erlebnisse, die wir jetzt hier hatten, werden wir nie wieder vergessen. Wir werden einfach hart weiterarbeiten und hoffen, dass wir mit der Euphorie von diesem Jahr auch nächstes Jahr erfolgreich sein werden. Der riesen Vorteil war für uns, dass die Fans hinter uns standen und wir eine Heim-WM hatten. Wir haben als Mannschaft einen riesen Schritt gemacht in die richtige Richtung. Man sieht die spielerische Entwicklung und den mannschaftlichen Zusammenhalt, der sehr, sehr wichtig ist.”

Felix Schütz: “Wir waren jetzt ganz schön nah an einer Medaille, aber es hat halt einfach nicht sein sollen. Es dauert jetzt vielleicht ein paar Tage, aber im Sommer werden wir alle realisieren, was wir geschafft haben.”

Dennis Endras: “Es tut immer weh, solche Spiele zu verlieren. Es ist ein riesen Stich ins Herz. In so kurzer Zeit zwei Finale zu verlieren, ist bitter. Aber ich denke trotzdem, dass wir stolz auf uns sein können.”

Von Fabian

24. Mai 2010 um 15:01